KHS bietet als erste Realschule in Frankfurt einen bilingualen Zweig an

Englischkenntnisse sind auch für Realschüler wichtig – egal, ob sie anschließend eine Ausbildung machen, eine Fachoberschule besuchen oder gar Abitur machen. Deshalb hat die Konrad-Haenisch-Schule als erste Frankfurter Realschule nun einen bilingualen Zweig Englisch-Deutsch.

Fechenheim. Wie unser Planet, die Erde, auf Englisch heißt, weiß man noch, wenn man Englisch in der Schule hatte: The Earth. Und auch dass ein Vulkan „Vulcano“ heißt, ist einfach. Wie aber steht es mit anderen geographischen Begriffen wie „Niederschlag“ oder „tektonischen Platten“, die zu erklären gelegentlich schon auf Deutsch schwerfällt?. An der Konrad-Haenisch-Schule, der kombinierten Grund-, Haupt- und Realschule in der Lauterbacher Straße, müssen einige Schüler das nun lernen. Denn seit den vergangenen Sommerferien ist sie die erste Realschule der Stadt, in der eine achte Klasse bilingual auf Deutsch und Englisch unterrichtet wird.

„Zurzeit unterrichten wir in den Fächern Erdkunde und Kunst komplett auf Englisch“, erklärt Claudius Swietek, Konrektor und Englischlehrer an der Schule. Dabei ist rund 90 Prozent des Unterrichts auf Englisch. Deutsch wird nur gesprochen, wenn es gar nicht mehr anders geht. Außerdem fasse er in den letzten fünf Minuten der Stunde alles noch einmal auf Deutsch zusammen.

Jeder hat die freie Wahl

„Wichtig war uns, dass die Teilnahme freiwillig ist“, sagt Swietek. In der Regel seien die Jahrgänge zweizügig, so dass eine Klasse auf Englisch und eine auf Deutsch unterrichtet wird. Sollte ein Jahrgang wie zurzeit einzügig sein, werde die Klasse für den Musik- und Erdkundeunterricht geteilt. „Das ist kein großer Aufwand, das machen wir bei anderen Unterrichtsschwerpunkten ja auch“, sagt Swietek.

Zwar gibt es in Frankfurt bereits Grundschulen und Gymnasien, die bilingualen Unterricht anbieten, nicht aber Realschulen, sagt Swietek. „Die Statistik zeigt aber, dass 80 bis 90 Prozent unserer Realschüler nach dem Abschluss keine Ausbildung machen, sondern eine Fachoberschule oder gar das Gymnasium besuchen.“ Da sei es ein „großes Plus“, gut Englisch zu können, zumal das Unterrichtsniveau einer gymnasialen Oberstufe höher sei als an einer Realschule. „Eine Realschule muss also nicht nur die schwächeren, sondern auch die guten Schüler besonders fördern.“ Darüber hinaus seien gute Englischkenntnisse auch in einem Ausbildungsberuf von Vorteil.

Anders als im Englischunterricht würden im bilingualen Erdkunde- und Kunstunterricht nicht die Sprachkenntnisse, sondern das Fachwissen bewertet. „Schüler, die sich sonst nicht so trauen, können hier also einfach ohne Angst losreden.“ Zudem mache es mehr Spaß, eine Sprache quasi nebenbei zu lernen. „So fördern wir auch das kreative Schreiben auf Englisch.“ Dabei gehe es weniger darum, dass die Kinder alle gelernten Fachbegriffe in zehn Jahren noch auf Englisch beherrschen. „Wir arbeiten viel mit Tabellen, mit Bildern. Es stehen Methoden im Vordergrund, die sie für das Berufsleben brauchen. Sie lernen etwa, eine Präsentation auch auf Englisch zu halten.“

Eine Herausforderung

Auf die Idee, bilingualen Unterricht an der Konrad-Haenisch-Schule einzuführen, kam Swietek, weil er im Referendariat eine zehnte Klasse auf Englisch unterrichtet hatte. Für die Lehrer sei der Unterricht auch eine Herausforderung. „Selbst als Englischlehrer kennt man die Begriffe nicht alle auf Englisch, die man im Fachunterricht verwendet.“ Weil der bilinguale Unterricht an sich aber nicht neu sei, gebe es inzwischen viel Material auch für die eigene Vorbereitung der Lehrer.

Ab der achten Klasse bietet die Schule den bilingualen Unterricht an, weil sie die Kinder erst dann in einen Haupt- und Realschulzweig aufteilt, sagt Swietek. „Bis dahin haben wir die Förderzeit mit integrierten Klassen. So erhalten viele die Chance, die in der fünften Klasse noch nicht so weit sind, sich für den Realschulzweig für qualifizieren.“ Wer vom Leistungsstand Haupt- und Realschüler sei, zeige sich in der Klassenarbeiten, denn die bestünden zum Teil aus Aufgaben auf Hauptschulniveau, zum Teil auf Realschulniveau. Der Erfolg zeige, dass sich dieses Konzept lohne: „Die Durchfallquote ist dadurch niedriger.“

Andreas Haupt, FNP 14. Januar 2017, Überschrift geändert

Stand: 26. Januar 2017

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